Mit Teleskop ist alles besser

Nachdem ich mir mit einer parallaktischen Montierung das wichtigste Equipment für die Deep Sky-Astrofotografie zugelegt hatte, war es schon möglich das eine oder andere Objekt ganz ordentlich abzulichten. Mal abgesehen von dem nervigen Bug, den das Nikkor 70-200 f/2.8 mit sich brachte und welcher dafür sorgte, dass sich der Fokus öfter mal von alleine verstellte.

Ein normales Objektiv hat noch einen kleinen Nachteil: es kann nicht für visuelle Beobachtungen eingesetzt werden, sondern taugt nur zur Fotografie. Der Entschluss, ein richtiges Teleskop zu kaufen fiel also nicht schwer. Es sollte fotografisch taugen aber auch für die eine oder andere visuelle Beobachtung geeignet sein. Es sollte nicht zu groß sein (besser: es sollte klein sein), da ich es oft transportieren muss. Es sollte eine nicht zu lange Brennweite haben, so dass ein großes Bildfeld zur Verfügung steht und außerdem beim Fotografieren vorerst auf ein Guiding verzichtet werden kann – zumindest bei Belichtungszeiten von ein bis zwei Minuten.

Etwas Recherche führte mich dann zu einem ED-Refraktor mit eingebautem Bildfeldebner welcher bei 70 mm Öffnung eine Brennweite von 474 mm (f/6,7) besitzt.

Celestron Advanced VX + Imaging Star 70 mm f/6,7
Celestron Advanced VX + Imaging Star 70 mm f/6,7

Die visuelle Beobachtung mit dem kleinen Fernrohr macht selbst im hellen Berliner Stadthimmel Spaß, wenn auch die nebligen Objekte (Galaxien, Nebel aller Art) in fast allen Fällen ausscheiden. Der Nachthimmel hält davon abgesehen aber immer noch eine Menge wirklich toller Sachen zum Beobachten bereit. Zur Zeit ist Jupiter gut zu beobachten, mit dem kleinen Refraktor kann man schon wunderbar die Streifen auf Jupiters Atmosphäre erkennen und natürlich lassen sich auch die Galileischen Monde erblicken.

Auch diverse Sternhaufen sind sehr dankbare Objekte für solch ein kleines Teleskop. Seien es die nadelfeinen Sterne des offenen Sternhaufens Messier 35, die im Weitwinkelokular glitzern oder der bekannte Kugelsternhaufen Messier 13, welchen man sehr gut als kreisrunden nebligen Fleck erkennen kann.

Nikon D300, D=70 mm, f/6.7, 33x60 s, ISO 1600 (2015-03-23)
Messier 35, Nikon D300, D=70 mm, f/6.7, 33×60 s, ISO 1600 (2015-03-23)

Der andere Vorteil des Teleskops zeigt sich im fotografischen Einsatz. Anders als bei einem normalen Teleobjektiv sitzt die Kamara hier an einem fein untersetzten Auszug. Damit gelingt das Fokussieren ziemlich gut. Setzt man als Hilfsmittel beim Scharfstellen z. B. eine Bahtinov-Maske ein, kann man die Kamera kinderleicht exakt auf den Punkt in den Fokus bringen. Die Fokuslage lässt sich außerdem auch fixieren, so dass sie sich nicht mehr von allein verstellen kann.

Wenn die parallaktische Montierung gut eingestellt ist sind bei den knapp 500 mm Brennweite durchaus Aufnahmen von zwei Minuten machbar ohne dass ein Guiding notwendig ist. Für das folgende Foto von Messier 81 und Messier 82 („Bode-Nebel“) habe ich 32 Aufnahmen à 120 Sekunden benutzt. Insgesamt hatte ich 40 Aufnahmen gemacht, davon waren 8 Ausschuss durch Verwackelung oder ungleichmäßige Nachführung der Montierung. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden – immerhin eines meiner ersten Deep-Sky-Bilder überhaupt.

Nikon D300, D=70 mm, f/6.7, 32x120 s, ISO 1600 (2015-02-28, 20:00 UTC)
Bode-Nebel (M81, M82), Nikon D300, D=70 mm, f/6.7, 32×120 s, ISO 1600 (2015-02-28, 20:00 UTC)

Das einzige Problem welches noch nocht gelöst ist, ist das durchgehend schlechte Wetter hier, welches die Anzahl der Beobachtungsabende in den letzten Wochen an einer Hand abzählbar machte :-(

Veröffentlicht von

Marcus Jaschen

Ich bin selbstständiger Webentwickler und Systemadministrator und bin unter anderem für MTB-News.de, Europas größte Mountainbike-Website tätig. Meine freie Zeit verbringe ich mit Radsport und Fotografie.