Die Jahreszeit für Astrofotos ist da!

Die Tage werden wieder merklich kürzer und ich kann mich langsam wieder motivieren, das ganze Astronomie-Geraffel hin und wieder runter in den Garten zu schleppen. Ich habe gestern Abend meine Astro-Saison offiziell eröffnet und gleich zwei Fotos geschossen.

Als Subjekt war eigentlich die Andromeda-Galaxie Messier 31 vorgesehen. Diese steht zur Zeit schön weit hoch am Abendhimmel und ist damit das perfekte Ziel für Astrofotos. Leider stand eine große Birke im Garten mit ihrer Baumkrone genau im Weg – ich hatte keinen direkten Blick auf M 31.

Als Alternative hatte ich den Nordamerika-Nebel NGC 7000 und den Ringnebel Messier 57 auf der Liste. Von beiden konnte ich ein paar Aufnahmen anfertigen. Ich habe diesmal statt der sieben Jahre alten Nikon D300 meine Olympus E-P5 (Baujahr 2013) benutzt und bin durchaus zufrieden mit den Ergebnissen. Die sehr starke Lichtverschmutzung der Großstadt und eine fehlende Korrektur der Nachführung begrenzen die Belichtungszeiten auf unter eine Minute.

Ringnebel, Messier 57

Olympus E-P5, D=70 mm, f/6.7, 13x50 s, ISO 3200 (2015-11-03, 19:30 UTC)
Olympus E-P5, D=70 mm, f/6.7, 13×50 s, ISO 3200 (2015-11-03, 19:30 UTC)

Nordamerika-Nebel, NGC 7000

Olympus E-P5, D=70 mm, f/6.7, 31x50 s, ISO 3200 (2015-11-03, 19:00 UTC)
Olympus E-P5, D=70 mm, f/6.7, 31×50 s, ISO 3200 (2015-11-03, 19:00 UTC)

Balkon-Astrofotografie – die ersten Grenzen

Nachdem ich mich jetzt eine Weile theoretisch mit dem Thema Astrofotografie auseinandergesetzt habe, zeigten mir zuletzt meine wenigen praktischen Versuche den spätabendlichen Himmel vom Balkon aus zu fotografieren recht schnell die Grenzen des Machbaren.

Zunächst möchte man für fast alle Objekte außer Mond und Planeten möglichst lange Belichtungszeiten erreichen um möglichst viele der sehr spärlich ankommenden Photonen auf dem Bildsensor zu sammeln. Der helle Himmel in der Stadt ist hier schonmal der erste limitierende Faktor, dieser flutet ab einer bestimmten Belichtungszeit den CCD-Sensor der Kamera mit orangem Licht und überstrahlt damit die eigentlichen Signale.

Dieses Limit zu erreichen ist zunächst aber gar nicht möglich, da sich ein anderes Problem viel gravierender bemerkbar macht: die Erdrotation. Die Sterne gehen – genau wie die Sonne – im Osten auf und im Westen wieder unter, ziehen also gleichmäßig ihre Bahnen über den Himmel. Mit einem 200 mm-Teleobjektiv erreicht man bei rund zwei Sekunden Belichtungszeit bereits den Punkt, an dem die Spuren der Sterne sichtbar werden.

Der nächste logische Schritt ist also die Anschaffung einer parallaktischen/äquatorialen Montierung, welche die Kamera der scheinbaren Himmelsbewegung nachführt. Je nach Fertigungsqualität der Montierung sollten ohne weitere Korrekturen („Guiding“) mit 200 mm Brennweite Belichtungszeiten von 60 bis 120 Sekunden problemlos nachgeführt werden können. Die so gewonnenen Bilder sollten dann deutlich mehr Informationen enthalten und nur durch den hellen, lichtverschmutzten Himmel der Stadt in der Aufnahmelänge limitiert sein.

Hier sind mal zwei Bilder, die ohne Nachführung angefertigt wurden, einmal mit zwei Sekunden und einmal mit drei Sekunden Belichtungszeit. Diese sind bereits aus mehreren Einzelaufnahmen zusammengeführt, um das Rauschen etwas zu mindern.

Im nächsten Artikel werde ich die ersten nachgeführten Bilder zeigen – zwischenzeitlich habe ich mir nämlich eine anständige Montierung zugelegt.

Messier M 37 und β Tau. Nikon D300 mit Nikon 70-200/2.8; 135 mm, f/2.8, 3 s, ISO 1600
Astrofotografie vom Großstadt-Balkon: Messier M 37 und β Tau. Nikon D300 mit Nikon 70-200/2.8; 135 mm, f/2.8, 3 s, ISO 1600
Gürtel des Orion; Nikon D300 mit Nikon 70-200/2.8; 200 mm, f/2.8, 2 s, ISO 1600
Astrofotografie vom Großstadt-Balkon: Gürtel des Orion; Nikon D300 mit Nikon 70-200/2.8; 200 mm, f/2.8, 2 s, ISO 1600

Kurz vor Vollmond (mit Überraschungsgast Jupiter)

Kurz bevor der Schnee kam, konnte ich gestern Abend noch eine kurze Wolkenlücke dazu nutzen, ein Foto vom Mond zu machen.

In Ermangelung eines Telekops mit ordentlicher Brennweite musste das Nikon 70-200 ƒ/2,8 mit einem 1,7fach Telekonverter (alles was ich an Brennweite zusammenkratzen konnte) an der Nikon D300 reichen. Der Autofokus funktioniert bei Vollmond überhaupt nicht und auch der Live-View-Modus der D300 kommt mit der Mondhelligkeit nicht zurecht, so dass ich ohne weitere Hilfsmittel nur mit Blick durch den Sucher scharfstellen musste. Das klappte dann doch erstaunlich gut – zumindest besser als ich es erwartet hatte. Ausgelöst wurde mit Kabel-Fernauslöser sowie mit aktivierter Spiegel-Vorauslösung.

Die Mondphase war kurz vor Vollmond (98,7 %) was gerade noch so ausreichte um ein paar Schatten am Terminator zu erkennen.

Mond am 2015-02-02 gegen 21:21 Uhr CET, Nikon 70-200 ƒ/2,8 + 1,7fach Telekonverter an Nikon D300, ISO 200, 1/320 Sekunde, ƒ/8
Mond am 2015-02-02 gegen 21:21 Uhr CET, Nikon 70-200 ƒ/2,8 + 1,7fach Telekonverter an Nikon D300, ISO 200, 1/320 Sekunde, ƒ/8 (Originaldatei)

Nach dem Mond habe ich spaßeshalber noch zwei, drei Bilder vom in der Nähe stehenden Jupiter gemacht, wissend, dass die Fotos vermutlich direkt in den Mülleimer wandern würden. Erstaunlicherweise ist tatsächlich die Planetenscheibe samt einem (bei viel Fantasie auch zwei) Wolkenstreifen erkennbar.

Jupiter am 2015-02-02 gegen 21:23 Uhr CET, Nikon 70-200 ƒ/2,8 + 1,7fach Telekonverter an Nikon D300, ISO 200, 1/125 Sekunde, ƒ/6,3
Jupiter am 2015-02-02 gegen 21:23 Uhr CET, Nikon 70-200 ƒ/2,8 + 1,7fach Telekonverter an Nikon D300, ISO 200, 1/125 Sekunde, ƒ/6,3, 2fach vergrößert (Originaldatei)

Astrofotografie vom Balkon: Plejaden und Komet Lovejoy

Eben habe ich nach langer Zeit mal wieder einen klaren Nachthimmel sehen – und fotografieren können. Zwar nur vom Balkon (schlecht), nicht nachgeführt (schlechter), in Berlin (noch viel schlechter) und ohne große Vorbereitung. Stativ aufgestellt, die kleine Olympus rauf, die Blende vom 17 mm-Objektiv aufgemacht und wieder eine halbe Blendenstufe zu auf f/2, Empfindlichkeit auf ISO 1600 eingestellt sowie drei Sekunden Belichtungszeit vorgewählt. Ausgelöst ohne Vorauslösung. Das Ergebnis ist durchaus in Ordnung.

Hauptziel war M45 – der Sternhaufen der Plejaden, dank des großen Blickwinkels ist aber noch eine Menge mehr zu erkennen. Markant sind die Hyaden mit dem rötlichen Aldebaran (ɑ Leo) im mittig im unteren Bildteil zu sehen. Oben links ist Capella (ɑ Aur) deutlich zu erkennen – zusammen mit Aldebaran kann man also immerhin schon ein Drittel des Wintersechsecks ausmachen :-)

Vergrößert man das Bild kann man den einen oder anderen offenen Sternhaufen aus dem Messier-Katalog erkennen, M36, M37 und M38 im Sternibild Fuhrmann seien exemplarisch genannt.

Als besonderer Bonus ist auf dem Bild der Komet C/2014 Q2 (Lovejoy) zu sehen – das habe ich selbst erst am Rechner bemerkt. Die grünlich-blaue Farbe des Objekts machte mich stutzig – nach einem kurzen Blick in Stellarium stellte sich dann raus, dass zufällig eben der Komet mit auf dem Bild zu sehen ist.

Ein erneutes Foto ließ sich dann nicht mehr anfertigen, da mittlerweile der Himmel bewölkt war :-(

Foto mit Anmerkungen
Foto mit Anmerkungen; verlinkt ist das Bild in Originalgröße