Balkon-Astrofotografie – die ersten Grenzen

Nachdem ich mich jetzt eine Weile theoretisch mit dem Thema Astrofotografie auseinandergesetzt habe, zeigten mir zuletzt meine wenigen praktischen Versuche den spätabendlichen Himmel vom Balkon aus zu fotografieren recht schnell die Grenzen des Machbaren.

Zunächst möchte man für fast alle Objekte außer Mond und Planeten möglichst lange Belichtungszeiten erreichen um möglichst viele der sehr spärlich ankommenden Photonen auf dem Bildsensor zu sammeln. Der helle Himmel in der Stadt ist hier schonmal der erste limitierende Faktor, dieser flutet ab einer bestimmten Belichtungszeit den CCD-Sensor der Kamera mit orangem Licht und überstrahlt damit die eigentlichen Signale.

Dieses Limit zu erreichen ist zunächst aber gar nicht möglich, da sich ein anderes Problem viel gravierender bemerkbar macht: die Erdrotation. Die Sterne gehen – genau wie die Sonne – im Osten auf und im Westen wieder unter, ziehen also gleichmäßig ihre Bahnen über den Himmel. Mit einem 200 mm-Teleobjektiv erreicht man bei rund zwei Sekunden Belichtungszeit bereits den Punkt, an dem die Spuren der Sterne sichtbar werden.

Der nächste logische Schritt ist also die Anschaffung einer parallaktischen/äquatorialen Montierung, welche die Kamera der scheinbaren Himmelsbewegung nachführt. Je nach Fertigungsqualität der Montierung sollten ohne weitere Korrekturen („Guiding“) mit 200 mm Brennweite Belichtungszeiten von 60 bis 120 Sekunden problemlos nachgeführt werden können. Die so gewonnenen Bilder sollten dann deutlich mehr Informationen enthalten und nur durch den hellen, lichtverschmutzten Himmel der Stadt in der Aufnahmelänge limitiert sein.

Hier sind mal zwei Bilder, die ohne Nachführung angefertigt wurden, einmal mit zwei Sekunden und einmal mit drei Sekunden Belichtungszeit. Diese sind bereits aus mehreren Einzelaufnahmen zusammengeführt, um das Rauschen etwas zu mindern.

Im nächsten Artikel werde ich die ersten nachgeführten Bilder zeigen – zwischenzeitlich habe ich mir nämlich eine anständige Montierung zugelegt.

Messier M 37 und β Tau. Nikon D300 mit Nikon 70-200/2.8; 135 mm, f/2.8, 3 s, ISO 1600
Astrofotografie vom Großstadt-Balkon: Messier M 37 und β Tau. Nikon D300 mit Nikon 70-200/2.8; 135 mm, f/2.8, 3 s, ISO 1600
Gürtel des Orion; Nikon D300 mit Nikon 70-200/2.8; 200 mm, f/2.8, 2 s, ISO 1600
Astrofotografie vom Großstadt-Balkon: Gürtel des Orion; Nikon D300 mit Nikon 70-200/2.8; 200 mm, f/2.8, 2 s, ISO 1600

Veröffentlicht von

Marcus Jaschen

Ich bin selbstständiger Webentwickler und Systemadministrator und bin unter anderem für MTB-News.de, Europas größte Mountainbike-Website tätig. Meine freie Zeit verbringe ich mit Radsport und Fotografie.